Ordnung im Gefühlswirrwarr, Teil 2: Basisemotionen

Unter den vielen verschiedenen Emotionen gibt es sogenannte „Basisemotionen“, d.h. „Grundgefühle“, die genetisch verankert und bei jedem Menschen primär vorhanden sind. Sie dauern normalerweise kurz an und werden durch spezifische Reize ausgelöst. Ich stelle sie mir ähnlich vor wie Grundfarben (rot, gelb und blau), aus denen alle anderen Farben gemischt werden können. Es existieren unterschiedliche Meinungen darüber, wie viele und welche Basisemotionen es gibt. Einigkeit besteht darüber, dass Freude, Wut, Angst und Traurigkeit dazugehören, manche rechnen auch noch Ekel, Überraschung, Scham und Schuld dazu. Ich beschränke mich hier auf die ersten vier, für die letzten beiden wird es einen eigenen Beitrag geben.

Häufig sagen Patienten zu Beginn einer Therapie, sie wüssten gar nicht, welches Gefühl sie gerade hätten. Dann kann man sich gut an den Basisemotionen orientieren, um zunächst mal eine grobe Einordnung vorzunehmen, in welche „Richtung“ das Gefühl gerade geht:

Basisemotionen Kompass

Das ist sehr hilfreich, denn Emotionen zeigen uns an, ob in einer Situation – zumindest so, wie wir sie wahrnehmen – ein wesentliches Bedürfnis erfüllt (Freude), bedroht (Angst, Wut) oder frustriert (Traurigkeit) wird. Und eine Befriedigung unserer Grundbedürfnisse ist wesentlich für unser Wohlbefinden. Hier eine grobe Übersicht über die Basisemotionen und die zugehörigen Bedürfnisse.

EmotionAuslöserBedürfnisFunktionHandlungsimpuls
AngstGefahr, BedrohungÜberleben, GesundheitEnergie für Flucht, VerteidigungFlüchten, Hilfe suchen, manchmal Erstarren
WutHindernis, GrenzüberschreitungAutonomie, SelbstwertEnergie für Kampf, Verteidigungangreifen, seine Grenzen verteidigen
TraurigkeitVerlust eines wichtigen Objektes, Aufgabe einer IdeeBindung, BeziehungBindung lösen, Abschied nehmen, Zuwendung erhaltenWeinen, sich zurückziehen, oder Trost und Nähe suchen
FreudeBedürfnis erfüllt, Ziel erreicht, positives EreignisLustsuche, SelbstwertMotivationFreude zeigen, teilen